Designer aus Ungarn – Teil 24
Emília Anda mit ihrem Label „ANDA“
Avantgardistisch,
hochwertig und ein wenig lasziv
In der unmittelbaren Nähe des Ferenciek
tere liegt der kleine Laden der Designerin Emília Anda in der Galamb utca. Das
Eckgeschäft hat große Glasfronten, die einen Einblick in die Kreationen des
Labels „ANDA“ und das klare und stilvolle Ambiente des Innenraums erlauben. Die
BUDAPESTER
ZEITUNG
sprach mit der erfahrenen Designerin über Möglichkeiten im In- und
Ausland, Mut zur Mode und Kleidung ohne Altersgrenze.
Entspannt in
ihrem Laden sitzend erzählt die Designerin Emília Anda, dass sie erst einen Umweg
über die Technische Universität Budapest genommen habe, um dann schließlich
doch an der Universität für Kunst und Design (MOME) zu landen und Kleidung zu
entwerfen. „Ich habe schon immer gerne gezeichnet und bin auch auf ein künstlerisches
Gymnasium gegangen, da war der Weg zur Bauingenieurin eigentlich vorgezeichnet“,
erklärt sie und fügt hinzu, dass ihr das technische Studium allerdings zu
trocken gewesen und sie deswegen wieder zu ihrer künstlerischen Ader zurückgekehrt
sei.
Schon lange im Geschäft
Den Namen des
Labels „ANDA“ musste sie nicht lange suchen, denn ihr eigener kurzer und prägnanter
Name habe im In- und Ausland einen großen Wiedererkennungswert und sei für
jeden leicht auszusprechen. International bekannt wurde Anda im Jahr 2000.
Seither nimmt sie zweimal jährlich an der Pariser Fashion Week teil. Die
Teilnahme habe mehrere Vorteile: Ihre internationale Bekanntheit werde
aufrechterhalten, es gäbe viele Bestellungen, und sie bekomme mehr und bessere
Kritik und Resonanz aus dem Ausland.
Entwürfe und Größen
Für jede
Fashion Week in Frankreich entstehen für die Frühling/Sommer und Herbst/Winter
Saison pro Jahr etwa 70 bis 80 verschiedenen Entwürfe. „Ich weiß, dass meine
Kollektionen riesig erscheinen, aber so haben die Kunden mehr Auswahlmöglichkeiten,
können besser kombinieren und kaufen dadurch auch oft mehr als sie eigentlich
wollten“, erklärt Anda. Käufer aus aller Welt, darunter aus den USA, Europa, Kuwait
und sogar Südafrika, bestellen ganze Sortimente in verschiedenen Farben und
machen etwa 80 Prozent des Umsatzes aus, sagt die Designerin.
Um die Auswahl zu
erleichtern, gibt Anda allen Kreationen eigene Namen. Lachend erzählt sie, dass
sich dies bei der Größe und Menge ihrer Kollektionen inzwischen manchmal als
schwieriger erweist als das Entwerfen selbst. Die Standardgrößen gehen von 34
bis 46, auf Bestellung fertigt sie aber auch größere Kleidungsstücke an. Manchmal
jedoch „rate ich davon ab, eine meiner Kreationen zum Beispiel in Größe 52 zu
bestellen, manche Modelle eignen sich einfach nicht dafür, sind dann
unproportional und würden dann nicht mehr gut sitzen“.
Kollektionen und Einzelanfertigungen
Die
Kollektionen entstünden laufend, sie zeichne ständig und habe eigentlich mehr
Ideen als verwirklicht werden könnten. Gleichwohl empfindet sie es noch immer
als komisch, zwei Saisonen vorauszudenken. So ist die Sommerkollektion für das
kommende Jahr bereits in Produktion, und die Kollektion für den Winter wird
gerade ausgeliefert. „Es ist schon manchmal verwirrend, dass man so weit im Voraus
planen muss“, sagt Anda, aber man gewöhne sich nach einer Weile daran. Ihr
bleibe sogar Zeit für Einzelanfertigungen. So bekomme sie häufig Anfragen nach
Anpassungen der Kreationen für Hochzeits-, Cocktail- oder Ballkleider. Sie
bespreche dann immer die Farbe und einige Vorstellungen mit den Kunden, im
Endeffekt entwerfe aber sie das Kleid. „Das wollen die Käufer auch so, denn sie
kommen ja zu mir, weil sie meinen Stil mögen“, erklärt Anda und beschäftigt
sich kurz mit einer Stammkundin, die zufrieden eine bestellte Bluse abholt.
Qualität hat ihren Preis
Ihren eigenen
Stil bezeichnet Anda als avantgardistisch mit vielen Designelementen. Sie lege
viel Wert auf Strukturen, gute Qualität der Stoffe, die meist aus organischen
Materialien wie Leinen, Seide, Baumwolle und Wolle oder Mischungen aus diesen
bestehen und eine schöne Silhouette. Außerdem müssen die Kreationen auch immer
interessant, offen und variierbar sein und sich ohne weiteres „in den
Kleiderschrank einer Frau einfügen“. Der Stoff mache einen großen Unterschied,
denn er kann durch seine Struktur einen eigenen Charakter haben, fließend
fallen oder einfach leicht und angenehm zu tragen sein. „Ich arbeite wegen der
besseren Qualität deswegen mit Stoffen aus dem Ausland, die natürlich auch
ihren Preis haben“, erklärt die Designerin.
Bei den Farben hält sie sich eher
an die Decktöne schwarz, weiß, grau und deren Variationen, hinzu kommen einige
kräftigere Farben für den Kontrast. Anda betont, dass sie sich nicht nur an
Trends hält. Eine schöne Farbe habe immer ihre Berechtigung, sagt sie.
Vielfalt der Nationen
Den
Unterschied zwischen in- und ausländischen Käuferinnen sieht sie darin, dass
die Frauen aus dem Ausland viel offener, mutiger und experimentierfreudiger
seien. „Wahrscheinlich, weil sie mehr sehen und deswegen auch gern zu den etwas
auffälligeren Stücken greifen“, meint Anda und fügt hinzu, dass sich das Verständnis
von Mode in Ungarn seit ihren Anfängen im Modegeschäft aber geändert habe. Die
Tendenz sei sehr positiv, es gäbe immer mehr Konkurrenz, die den Wettbewerb
belebe.
Die Designerin möchte sich in Zukunft noch mehr auf das Ausland
konzentrieren und vielleicht einen eigenen Laden in den USA eröffnen. „Das wäre
eine neue Herausforderung, denn von dort habe ich sehr viele Bestellungen. Außerdem
freuen sich die Amerikanerinnen immer so offen und ehrlich über meine Kleidung,
Europäerinnen sind da sehr viel zurückhaltender“, erzählt Anda.
Vom Alter her
sieht sie keine Begrenzung für ihre Kreationen, junge Mädchen zählen ebenso zu
ihren Kunden wie reife Frauen. Es hinge immer vom Modell und der Einstellung
der Trägerin ab, denn die Kleidungsstücke bringen eine Offenheit mit sich und
sind deshalb für viele Menschen ohne weiteres tragbar, erklärt sie. Letztens
habe sie eine Hochzeitsgesellschaft eingekleidet: „Meine jüngste Kundin war
dabei acht Monate alt und unglaublich niedlich in ihrem Kleidchen“, erzählt
Anda mit freudigem Lächeln.
Ines Gruber
Showroom
ANDA
V.Galamb utca 4
Tel: +36 30 933 97 46
www.andaemi.com
EMÍLIA ANDA schloss ihre erste Ausbildung an der
Technischen Universität Budapest zur Bauingenieurin mit Diplom ab, arbeitete
jedoch nie in diesem Bereich. Sie bewarb sich nämlich kurz danach an der
Universität für Kunst und Design (MOME) und begann das Entwerfen von Kleidern
und Schuhen zu lernen. Nachdem sie auch die MOME erfolgreich abgeschlossen
hatte, fing sie an, mit ihren Kreationen im In- und Ausland, so auch in
Deutschland, Frankreich und Österreich, an Fashion Weeks teilzunehmen. Außerdem
unterrichtete Anda kurze Zeit an der Universität für Kunst und Design, ehe sie
1996 ihren eigenen Showroom eröffnete. Im Jahr 2004 bekam sie als erste den
Fashion Awards Hungary für den „Designer des Jahres“.
Erschienen in
der Budapester Zeitung Nr. 30, vom 22.-28. Juli 2011


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