Samstag, 28. Dezember 2013

konsanszky

Designer aus Ungarn – Teil 38
Dóra Konsánszky und ihr Label „konsanszky“

Das gewisse Etwas

Unweit der großen Synagoge kommt man auf dem Károly körút an einem schönen, alten Gebäude vorbei, das im ersten Stock den Showroom der Designerin Dóra Konsánszky beherbergt. Mehrere Räume mit Kleiderstangen voller Kreationen in gedeckten Farben und voller überraschender Details warten hier in entspannter Umgebung auf Modebewusste und probierfreudige Damen.

 Bild: Aaron Taylor (1)
Etwas müde öffnet Dóra Konsánszky die Tür ihres angenehm warmen Showrooms und bietet neben einem bequemen Sitzplatz auf der einladenden Coach eine heiße Tasse Kaffee an. „Das machen wir auch mit unseren Kunden so“, sagt sie lächelnd und fügt hinzu, dass ein persönliches Gespräch und Beratung bei ihr immer dazu gehörten.
Es sei manchmal schwierig, die Käufer in den Showroom zu locken, ergänzt sie. Wer sich jedoch einmal daran gewöhnt habe, käme gerne wieder. Nachdenklich meint Dóra, dass vielleicht ein Laden, der allgemein zugänglich sei, einfacher und besser wäre, da sich viele im Showroom beobachtet fühlten und dächten sie müssten unbedingt etwas kaufen. Dem sei jedoch nicht so: „Hier kann eine Kundin auch 20 Kleidungsstücke anprobieren, ohne schief angeschaut zu werden. Außerdem führt unsere Beratung auch dazu, dass oft Kleider anprobiert werden, die vorteilhaft sind, der Käuferin aber nie in den Sinn gekommen wären“.

www.vincebarati.com (5) 
Kleider machen Leute



Ihren Weg zum Design fand Dóra eigentlich ganz leicht. Sie interessierte sich schon immer für  dieses Metier und war fasziniert von der Auswirkung der Mode auf den Träger, also wie Kleidung die Person und Persönlichkeit beeinflussen kann. Deshalb wollte sie zuerst Kostümbildnerin werden. Oder vielleicht doch Architektur studieren, was sie ebenfalls ganz spannend fand. Als Dóra dann an die Universität für angewandte Kunst kam, war die Sache entschieden. „Ich hatte dann das Glück, im Ausland studieren zu können“, beschreibt sie und meint nachdrücklich, dass die andere Kultur und Lebensweise in Paris sie in ihrem Werdegang und ihrer Arbeit sehr beeinflusst hätten.




Kompliziert, aber bekannt



Einige Jahre nach ihrem Abschluss gründete sie 2006 ihre Firma und ihr Label „konsanszky“. Sie ist die einzige Designerin, wird jedoch von vielen internen und externen Mitarbeitern und Freunden unterstützt, die das Projekt auch mit am Leben erhalten. „Ich habe zum Glück Menschen gefunden, mit denen ich gut und ohne viele Worte zusammenarbeiten kann und welche die Botschaften meiner Mode transportieren“, betont sie.
Der Label-Name sei für Ausländer manchmal kompliziert auszusprechen, sie hätte deshalb schon daran gedacht, ihn zu ändern, gibt Dóra zu. „Als ich mich dafür entschieden habe, wusste ich durch meine Jahre in Paris, dass die Franzosen meinen Namen ohne weiteres aussprechen können, mit den Deutschen oder Engländern, die mehr Schwierigkeiten haben, hatte ich nicht gerechnet“, meint die Designerin. Inzwischen sei ihr Label aber so bekannt, dass sie dabei bleibe.

Knitterfrei und angenehm

Bei ihren Entwürfen legt die Designerin auf dreidimensionale Schnittführung und französisches Mieder Wert, die sie im Detail in Paris studiert hat. „Mein Design soll eine Dualität von Struktur und Weiblichkeit sein, eine zarte Mischung aus Design und französischer Couture“. Gleichzeitig haben die Stücke auch immer eine besondere Note, die sie neben dem klassischen und diskreten Stil zu Designerkreationen werden lassen. Tragbar bleiben sie jedoch trotzdem. Auch beim Stoff achtet Dóra auf Bequemlichkeit und nutzt zum großen Teil natürliche Fasern, die nicht zu sehr verknittern. „Alles was angenehm für das Auge und die Hand ist, benutze ich gerne, beispielsweise Seide, Wolle, Baumwolle oder Viskose“, meint sie und fügt hinzu, dass sie auch gerne mit matt und glänzend spielt.


Kundenrückmeldungen



Bei der Planung hat sich die Designerin schon an die internationalen Standards gewöhnt, die immer ein bis zwei Saisonen vorarbeiten. Im Moment sei sie an der Winterkollektion für 2012 dran. Pro Kollektion entstehen meist 25 Kreationen, von denen ein Viertel High End, also etwas exklusiver und teurer und der Rest etwas günstiger zu erstehen sind. Die Designerin achtet auch auf die Rückmeldung von Kritikern und Käufern aus den früheren Saisonen und passt ihre neuen Ideen diesen immer ein wenig an. So bestünden ihre Kollektionen auch oft aus schwarz-weiß, weil das gefragt sei und die meisten Käufer nicht den Mut zu Farben hätten, was Dóra sehr bedauert.

Kreative Prozesse

Beim Entwerfen hat sie unterschiedliche Inspirationsquellen: Rückmeldungen, kommende Trends, klassische Evergreens, unterwegs Aufgeschnapptes und nicht zuletzt die Musik. Insbesondere letzteres sei beim Zeichnen von Entwürfen wichtig. „Ich höre von Jazz, Rock, Punk und alternativer Musik bis hin zu Klassik alles. Im Moment ist es Purcell, der mich gefangen hält“, erzählt sie.
Die meisten Kleidungsstücke im Showroom seien Größe 36 und 38, aber einige Stücke, die erfolgversprechend sind, stelle sie auch in größeren Größen bis 42 her. Im Showroom können neben der jeweils neuen Kollektion auch die alten anprobiert und natürlich bestellt werden. „Wir ändern Größe, Farbe und manchmal auch den Stoff. Jedoch sagen wir auch ehrlich, wenn ein Modell zum Beispiel in Größe 50 nicht mehr gut aussieht und stellen es dann auch nicht her“, betont Dóra. Besonders bei Röcken sei die Länge wichtig, viele Frauen wüssten nicht wie sehr dass ihr Aussehen verändere.

Zeitmangel

Für die Zukunft wünscht sich die Designerin mehr Zeit, um sich auch mit ihren beiden anderen Linien, Männermode und Schuhe, neben der Frauenlinie ausreichend beschäftigen zu können. Ihre ersten Versuche damit seien positiv aufgenommen worden, nur schaffe sie das im Moment noch nicht allein. Auch der Gedanke einen Laden in Budapest allein oder mit anderen Designern zu eröffnen sei ihr schon gekommen. Neben Ungarn verkaufe sie ihre Kreationen auch in Italien, den USA und Kuwait, im Moment suche sie in Europa noch nach vertrauenswürdigen Distributoren.
Einen Online-Shop lehnt Dóra dagegen ab. Sie siehe es als gute Möglichkeit und es gäbe auch Län­der wie die USA und Japan, wo das gut funktioniere, aber in Ungarn sehe sie noch keinen Markt dafür. Außerdem falle damit der persönliche Kontakt weg, ganz zu schweigen davon, dass die Kunden die Kleidungsstücke so nicht anprobieren könnten. Das wolle sie nicht.


Ines Gruber
Showroom Budapest

Geöffnet: Auf Anfrage

VII. Károly Körút 3/c. I./1.

Tel: +36 30 242 1014

www.konsanszky.com

Shop Combinat

MuseumsQuartier

Quartier 21 / MQ, Wien

Tel.: +43 1 236 0596

www.combinat.at
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 12 bis 19 Uhr


DÓRA KONSÁNSZKY studierte an der Universität für angewandte Kunst in Budapest und der Les Écoles de la Chambre Syndicale de la Couture Parisienne in Paris wo sie 1990 ihren Abschluss als Fashion Designerin machte. Nach ihrer Studienzeit bekam sie die Möglichkeit, ein sechsmonatiges Praktikum bei Nina Ricci mit jeweils einer Woche bei Dior und Lanvin zu absolvieren. Ihre berufliche Karriere führte sie jedoch zurück nach Ungarn, wo sie 2006 anfing, ihr Label aufzubauen. Konsánszky nimmt regelmäßig an Fashionweeks in Paris, Düsseldorf und Wien teil, gewann den Fashion Awards Hungary Preis für den besten Fashion Designer in den Jahren 2006 und 2008 und dieses Jahr den zweiten Preis beim HG.Hu Design Awards.

Erschienen in der Budapester Zeitung Nr. 48, vom 25. November – 1. Dezember 2011


Freitag, 27. Dezember 2013

Éva Várhegyi

Designer aus Ungarn – Teil 37
Éva Várhegyi und ihre Hüte
„Ein Metier, das ausstirbt“

Einige Minuten vom Jászai Mari tér entfernt, liegt in der Hollán Er­n? utca am Ende einer kurzen Treppe seit 1969 der kleine Laden der Modistin Éva Várhegyi. In dem kleinen, aber hellen und warmen Raum sind in Regalen und Schränken, an Wänden und auf einem Tisch klassische und moderne Hüte, mit oder ohne Schleier, schillernde Haargestecke und Mützen in allen Farben und Formen zu finden.

Die Modistin Éva Várhegyi öffnet mit einem Lächeln die Gittertür ihres Geschäftes und schenkt der BUDAPESTER ZEITUNG eine Stunde ihrer Zeit, noch bevor der Laden öffnet. Nachdem sie ein paar Entwürfe für Márta Markány  (Designerin – Anm.d.Red.) weggeräumt hat, leert sich ein bequemer Stuhl neben Ständern mit Mützen und Hüten und einem Tisch mit weiteren Kreationen.

Bilder: Aaron Taylor
Berufswahl durch Zufall

Der Weg zur Hutmacherin sei für sie nicht vorbestimmt gewesen, erzählt Várhegyi. Nach ihrem Schulabschluss wäre sie etwas perspektivlos gewesen, nicht sicher, was sie mit ihrem Leben anfangen wolle. Dann sei sie durch ihre damals beste Freundin, deren Eltern und eine Urlaubsbekanntschaft mehr oder weniger per Zufall zu diesem Beruf gekommen. Der Lehrberuf reizte Várhegyi jedoch anfangs wenig. Obwohl sie bei der besten Modistin ihrer Zeit, Irén Fürst, lernte, entwickelte sie erst später Interesse daran. „Ich hatte großes Glück, bei ihr eine Lehre zu machen“, sagt sie heute. Als sie noch jung gewesen sei, habe sie das nicht so empfunden, meint sie kopfschüttelnd.

Irrungen und Geschichte

Sie vergab die Chance, den Laden von Irén Fürst zu übernehmen und fing nach ihrer Lehrzeit an, bei einem staatlichen Betrieb zu arbeiten. Nach einer Weile entwickelte sie Interesse für ihr Fach, stellte aber fest, dass durch die Herstellung nach Vorgabe zu wenig Zeit für Einzelstücke übrigblieb. Auch ihre Arbeit in der Oper ließ zu wünschen übrig. Also entschloss sich Várhegyi nach einigen Jahren dazu, ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Dafür benötigte sie noch eine Meisterprüfung, die sie 1968 bestand. Mit Bedauern meint die Modistin, dass dies heute leider nicht mehr nötig sei.
Zu dieser Zeit gab es in Budapest noch 50 bis 60 eigenständige Hutmacher, Modisten und Mützenhersteller. Alle drei Fachbereiche waren damals noch getrennt: der Hutmacher kümmerte sich um die Herrenwelt, die Putzmacher oder Modisten stellten Modelle für Frauen her und der Mützenmacher kreierte Kopfbedeckungen, die eben nicht fest, sondern weich waren. „Heute gibt es etwa fünf bis zehn Läden, die noch selber herstellen und das Fach auch wirklich beherrschen“, erklärt Várhegyi und fügt seufzend hinzu, dass ihr Beruf vom Aussterben bedroht sei.

Heutige Schwierigkeiten



Probleme gäbe es schon bei den Holzformen, über denen die Hüte mit Hilfe von Dampf geformt werden. Auch ein eigenständiger Beruf, der in Ungarn inzwischen nicht mehr existiert. In Westeuropa gibt es noch ein paar Firmen, die sich damit beschäftigen. Várhegyi versucht es jetzt mit einem Holzbildhauer. Aber das sei kompliziert. Einige Formen habe sie von einer Werkstatt übernehmen können, die früher Hüte für sie vorgeformt habe, heute kümmere sie sich eben selbst darum.

Hüte sind beständig



Bei ihren Kollektionen, die mit dem Wetter wechselten, im Sommer eher Leinen- und Strohhüte, im Winter die wärmeren Pelz- und Filzkreationen, ändere sich von Jahr zu Jahr nicht allzu viel. Das läge auch daran, dass Hutmode sich nicht so sehr wandle. „Wie Coco Chanel einmal sagte: ‘Mode verändert sich, der Stil nicht’“, meint Várhegyi lächelnd und erklärt, dass Hüte immer zur Persönlichkeit passen müssen. Es gäbe für Jedermann den passenden, man müsse nur Geduld haben, ihn zu finden. Natürlich hätten die klassischen Modelle auch immer ein paar moderne Stilnoten, aber revolutionäre Veränderungen gäbe es nicht. Für ihre Stammkunden müsse die Putzmacherin jedoch immer wieder neue Kreationen herstellen, da diese die anderen Modelle schon kennen oder besitzen.

Kundenkreise und Anlässe



Die meisten Hüte, die sie verkauft, gehen an ungarische Kunden, die sie bereits kennen und wissen wo sie ihren Laden hat. Auch gehörten zu ihrer Kundschaft viele Ungarn, die ausgewandert seien und regelmäßig zurückkehrten. Várhegyi erzählt auch, dass sie immer wieder mit ungarischen Designern zusammenarbeite, die für ihre Kollektionen Kopfbedeckungen bestellten. Hüte, die handgemacht und auf den Kopfumfang zugeschnitten sind sowie nach individuellen Vorstellungen entstünden, sind inzwischen schon etwas ganz Besonderes und das wüssten ihre Käufer auch zu schätzen.
Ihre Kollektionen stelle sie im Durchschnittsmaß her, jedoch könne man diese immer noch etwas vergrößern oder verkleinern. Die meisten Käufer wollten jedoch Einzelanfertigungen, mit einem bestimmten Stoff, in einer konkreten Farbe und oft auch zu einem besonderen Anlass. Im Sommer stelle sie viel für Hochzeitsgesellschaften her, wo die Hüte zur Kleidung passen müssen, inzwischen gäbe es aber auch Gartenpartys, bei denen Hutpflicht bestehe und natürlich Pferderennen. Im Winter stehen dann die Haargestecke für Bälle hoch im Kurs.
Wenn ein Hut entstehe, müsse er vom Kunden mehrmals anprobiert werden, ähnlich wie bei Kleidung, erklärt Várhegyi. Sie fügt hinzu, dass sie sich nach vielen Gesprächen mit den Kunden nicht selten sogar wie ein Mitglied der Familie fühle. Die Grundmaterialien für die Kopfbedeckungen seien Seide, Samt, Wolle, Hasenfell, Stroh, Leinen und Leder. Die Dekorationen bestanden früher oft aus Pferdehaar, heute werden sie durch Kunstfasern ersetzt.

Neuerungen kommen



Ihre Zukunft sieht die Modistin an der Seite einer jungen, talentierten Mitarbeiterin. Bald werde auch ihre Webseite online gehen, wo es regelmäßig Bilder von ihren Kreationen geben werde. Da die junge Nachfolgerin auch einige Fremdsprachen fließend spreche, sei die Möglichkeit gegeben, auch einen internationalen Kundenkreis anzuziehen. Außerdem will sich Várhegyi auch weiterbilden, mit neuen Techniken arbeiten und  das Grundmaterial und die Dekorationen für ihre Hüte selbst herstellen.

Liebe zum Beruf



Durch den Kontakt mit den Kunden und die Herausforderung, die ihr durch jede neue Bestellung gestellt wird, hat Várhegyi sich letztlich doch noch in ihren Beruf verliebt. Inzwischen würde sie nichts anderes lieber tun. Sie bedauert jedoch, dass es immer weniger junge Menschen gebe, die sich für die Hutmacherei interessieren und dieses Fach ergreifen. „Hüte gehören zu den Menschen. Ohne sie wird unsere Kleidung, ja die Welt, um etwas Wichtiges ärmer“, meint sie. Sie sieht aber noch einen Hoffnungsschimmer: Immer mehr junge Menschen trügen heute Kopfbedeckungen. Es habe wahrscheinlich etwas mit Nostalgie zu tun, für viele sei das Tragen von Hüten auch mit Weiblichkeit verbunden.
Ines Gruber
Várhegyi Éva kalapszalonja

Tel.: +36 1 320 5520

XIII. Hollán Ernő utca 9

www.varhegyieva.hu 

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr
Samstag 10 bis 13 Uhr


Erschienen in der Budapester Zeitung Nr. 47, vom 18.-24. November 2011


Donnerstag, 26. Dezember 2013

Artista

Designer aus Ungarn – Teil 36 
Kati Imre, Nóra Rácz und Katalin Stampf mit ihrem Label „Artista“
„Mode ist Kunst“

Unweit des Nationalmuseums befindet sich in der Puskin utca (Ecke Bródy Sándor utca) hinter einer schönen Holztür im zweiten Stock der Showroom und die Werkstatt des Labels „Artista“. Die Fenster des großen Raumes lassen viel Licht herein, wodurch die Design-Kreationen, die aus Frauenmode und Accessoires wie Taschen und Geldbeutel bestehen, noch besser hervorgehoben werden.

Bilder: Artista
Die Klinke der geschnitzten, dunklen Holztür in der Hand wartet Kati Imre, eine der drei Designerin von „Artista“, auf die Budapester Zeitung, führt dann in den Showroom, der zwischen dem Atelier und der Werkstatt liegt und bietet einen Platz auf der einladenden Coach an. Eigentlich wären sie ja zu dritt, meint Kati, jedoch sei sie diejenige, die die Interviews gäbe und natürlich auch für die anderen spreche.

Freundschaft

Kennengelernt haben sich Kati Imre, Nóra Rácz und Katalin Stampf während ihres Studiums an der jetzigen Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design. Als sie nach ihrem Abschluss 1994 „Artista“ starteten, waren sie noch insgesamt sechs Designer, von denen zwei später anfingen, an der KREA Designschule zu unterrichten und der einzige Mann der Gruppe in die Filmbranche als Producer wechselte und aufhörte, Mode zu entwerfen. Die Belastung, alles zusammen zu machen wäre einfach zu groß gewesen, betont Kati und erklärt weiter, dass „Artista“ jedoch bis heute allen sechs gehört. Sie verstünden sich immer noch ausgezeichnet und machten sogar ab und an zusammen Urlaub.

Namenswahl

Sie selbst habe schon als Kind mit zehn-elf Jahren angefangen, sich auf ihre spätere Laufbahn vorzubereiten: „Ich habe für meine Puppen Kleider entworfen und genäht“, sagt Kati. Beim Studium beschäftigte sie sich neben ihrer Hauptrichtung „Leder und gedruckte Stoffe“ auch viel mit dem Entwerfen und Herstellen von Kleidern, nutzte jede Möglichkeit, sich weiterzubilden und ist dann im Endeffekt beim Modedesign geblieben.
Den Namen des Labels entliehen die jungen Anfänger einem geflügelten Wort an der Universität, erzählt Kati. „Alles was ein wenig extrem, interessant, komisch und außergewöhnlich war, nannten wir damals ‘artistás’. Hinzu kommt noch die akrobatische Leistung wie zum Beispiel der Spagat zwischen Innovation und Tragbarkeit, die man auch in der Mode braucht“. Für die Designer wurde all das in „Artista“ vereint.



Veränderungen

Ihr Stil habe sich aber seither etwas gewandelt, er sei weicher, filigraner geworden, meint Kati und fügt hinzu, dass es am Anfang eigentlich sechs Kollektionen gewesen seien, die bei einer Modeschau unter einem Namen präsentiert wurden. In den Kleidungsstücken war allerdings auch immer der Name des jeweiligen Designers angegeben. Dann kam ein Auftrag aus Großbritannien, der zu einer gemeinsamen Modelinie innerhalb des Labels führte. Ab 2000 fingen die Designer an, verstärkt gemeinsam zu entwerfen und mischten in ihren Kreationen die extremen Schnitte mit klassischen Elementen. Dies ist bis heute geblieben. Die drei verbliebenen „Artista“ Gründer verzichten inzwischen auf ihren Namen in der Kleidung und entwerfen die Kollektionen gemeinsam.

Kundenwünsche



Was getrennt läuft, sind die Accessoires, die allein von Katalin Stampf kreiert werden und inzwischen sehr populär geworden sind. Dazu gehören Taschen, Geldbeutel, Brillenetuis und Öko-Beutel, die aus alten Materialen sozusagen im Recycling entstehen. Diese einfachen Einkaufsbeutel sind etwas günstiger als die anderen Taschen und werden deshalb gerne als billigere Variante einer „Artista“ Kreation gekauft. Durch die Finanzkrise habe sich auch die Präferenz der Käufer geändert, weiß Kati zu berichten: Die Kunden wollen lieber Taschen aus Leder, die etwas mehr kosten, jedoch strapazierfähiger und länger tragbar sind. Der Clue bei den Taschen ist der abnehmbare Deckel: Durch Druckknöpfe kann damit einer einzelnen Tasche immer ein neues Gesicht gegeben werden.
Der Stil ihrer Mode, die hauptsächlich aus saisonalen Kollektionen für Frauen besteht, ist da etwas spezieller. „Wir haben uns jedoch einen offenen, modebewussten Kundenkreis aufgebaut, der regelmäßig bei uns kauft“, betont Kati und erklärt weiter, dass dieser jeweils zur Hälfte aus Ausländern und Ungarn bestehe. Viele der Durchreisenden finden den Showroom durch Anzeigen oder Zufall, kaufen groß ein und empfehlen ihn weiter. Neben den Kollektions­stücken, die auch in einer anderen Größe, Farbe oder aus einem anderen Stoff bestellt werden können, nehmen die Designerinnen auch Bestellungen für Hochzeitskleider und Einzelanfertigungen an.

Kollektionen



Pro Halbjahr stellen Nóra und Kati eine neue Kollektion, Herbst/ Winter und Frühjahr/Sommer zusammen, die natürlich immer im Voraus entsteht. Das Problem dabei ist, die Entwürfe auf eine maximale Anzahl zu beschränken. „Wir haben immer so zwischen 70 und 78 Kreationen, dass ist viel zu viel“, seufzt Kati, „aber es fällt uns immer schwer, etwas wegzulassen“. Optimal wären 50 bis 60 Stücke. Die Zusammensetzung der Kollektionen verändere sich ständig, manchmal hätten sie ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Entwürfe zieht, bisweilen würden sich ihre Ideen zu einem Ganzen zusammenfügen. Das wichtigste bei ihren Kreationen sei die Tragbarkeit, Bequemlichkeit und das Mischen von klassischen Elementen mit kreativen Motiven. Die Stoffe kaufen sie auf der großen Textilmesse in Mailand, wo sie die neuen Stofftrends sehen und dann gemeinsam planen und entscheiden. Die Farben änderten sich von Jahr zu Jahr, nur schwarz bleibe immer modern, sagt Kati.

Erfolge

Auch im Ausland habe „Artista“ gute Erfahrungen gemacht. Durch persönliche Beziehungen war von Anfang an klar, dass auch in Wien ein Geschäft entstehen sollte. So öffneten sie 2006 zusammen mit drei österreichischen Designern das Geschäft „Combinat“ im Museumsquartier. Durch die Umgebung nutzen sie die Ladenfläche auch als Ausstellungsraum, „irgendwie passt das gut zusammen, denn Mode ist auch Kunst“, meint Kati. Außerdem seien sie noch in weiteren Geschäften vertreten, nähmen regelmäßig an Messen teil und haben es, dank der Unterstützung der Europäischen Union, auch schon nach Tokio zu einem großen Design-Event geschafft. Sie wären auch dieses Jahr dabei gewesen, wenn es nicht die Katastrophe in Fukushima gegeben hätte. Das Interesse an ihrer Kleidung sei in Japan groß, berichtet Kati. Es gäbe auch Überlegungen, mit ihrer Mode nach Stuttgart, Hamburg, München und Berlin zu gehen. Dafür fehlt im Moment allerdings ein verlässlicher Distributor. In Ungarn entsteht in der Zwischenzeit im Luxuskaufhaus in der Váci utca (das 2012 eröffnet werden soll; Anm. der Red.) ein Pop-up Store, und Anfang Dezember wird es dort mit drei anderen Designern eine Modeschau im leeren Gebäude geben.

Ines Gruber
Showroom Artista
VIII. Puskin utca 19

Tel.: +36 1 328 0290

www.artistafashion.com

Shop Combinat

MuseumsQuartier

Quartier 21 / MQ, Wien

Tel.: +43 1 236 0596
www.combinat.at
Öffnungszeiten:
 Dienstag bis Samstag
12 bis 19 Uhr


Erschienen in der Budapester Zeitung Nr. 46, vom 11.-17. November 2011


Mittwoch, 25. Dezember 2013

Dóri Tomcsányi

Designer aus Ungarn – Teil 35
Dóri Tomcsányi und ihr Showroom „The Garden Studio“
„Draufgängertum gepaart mit zerbrechlicher Weiblichkeit“

Nur etwa fünf Minuten vom Ferenciek tér entfernt ist seit ein paar Monaten der Showroom „The Garden Studio“ der jungen Designerin Dóri Tomcsányi. Zwischen dem ersten und zweiten Stock des schönen Budapester Altbaus warten hier in zwei hellen, freundlichen Räumen mit großen Glasfenstern moderne Möbel, bunte Kleidung und flippige Accessoires auf Neugierige.

Neugierig hielt Dóri Tomcsányi die Tür ihres Showrooms offen, lud gleich zum bequemen Sitzen auf den Kissen der Bänke vorm Fenster ein und stellte die beiden Mitverantwortlichen für „The Garden Studio“ vor. Diese grüßten lächelnd und hielten sich dann im Hintergrund.

Bilder: Aaron Taylor (3)

Ein Gesamtkonzept

„Wir haben hier mehr als nur meine Kollektionen“, stellt Dóri gleich am Anfang klar und erklärt, dass das Studio erst diesen Sommer eröffnet worden sei. Nun hofft sie, immer mehr ungarische Designer anzuziehen. Die Idee dahinter ist im Grunde einfach: Ein Showroom für verschiedene Designartikel, die zuvor auf der Website angesehen und bestellt oder eben im Laden besichtigt und gekauft werden können. Es gäbe auch viele Vorbestellungen, verrät die junge Frau. Die Designer hätten durch den Showroom mehr Möglichkeiten, denn sie müssten ihre Kreationen nicht abgeben, behielten sie also immer und seien gleichzeitig im Internet sehr viel präsenter als nur in ein-zwei Läden. Dóri betont auch, dass insbesondere Ausländer gern und vor allem viel über die Website bestellen. In Ungarn sei das jedoch noch nicht gang und gäbe. Geplant ist, dass neben der Mode, Möbeln und Schmuck auch bald Schuhe, Kinderspielzeug und ein Grafiker im Laden und Webshop zu finden sein werden.

Mut zum Namen

Ihre eigene erste Kollektion entstand vergangenes Jahr im Rahmen ihres Studiums. Das „Illusion Project“ war, wie der Name schon sagt, eher ein Projekt, dem eine Ausstellung ihrer Entwürfe und jetzt die Herbstkollektion folgten. „Ich finde es spannender immer mal wieder etwas Neues zu machen“, meint Dóri. Der Weg zum Design ergab sich von ganz allein, erzählt sie und fügt hinzu, dass sie schon vor dem Abitur an nichts anderes als an Modedesign habe denken können. Es ergab sich einfach alles automatisch.
Beim Labelnamen überlegte die Designerin dann schon etwas länger, entschied sich aber schlussendlich doch für ihren eigenen Namen „Dóri Tomcsányi“. Eine mutige Entscheidung, denn Dóri hofft, dass die Menschen ihn bald kennen werden, so wie die ebenso komplizierten Namen einiger holländischer Designer. Außerdem würden so Kollektionen, die sie in Zukunft vielleicht für Modehäuser entwerfen wird gleich mit ihr und ihrem Stil verbunden.

Stoff- und Farbenwahl

Ihre Mode beschreibt Dóri selbst als ein wenig minimalistisch, mit einfachen Formen und Schnitten und kleinen, aber feinen Details. „Ein wenig Draufgängertum gepaart mit zerbrechlicher Weiblichkeit“, meint sie nachdenklich. Reißverschlüsse, Kragen und das Betonen der Taille, ebenso wie gerade Linien, die gebrochen werden, sei es durch unterschiedliche Texturen oder die Farben der Stoffe, sind Kennzeichen ihrer Kollektionen. Es sei fast schon wie ein Markenzeichen für das Label. Sie spiele gern mit gegensätzlichen Oberflächen, glatt mit rau, einfarbig mit Muster oder Leder mit Gestricktem, erklärt sie.
Die Textilien, die sie verwende, kämen zumeist aus dem Ausland, weil die Qualität dort hochwertiger sei. Sie betont auch, dass sie zu  80 Prozent mit Naturfasern wie Seide, Bambus, Baumwolle, Wolle und ein wenig Leder arbeite. Bei den Farben tobe sie sich richtig aus. Dóri mag große farbige Flächen. Es gäbe bei jedem Ton eine Schattierung, die sie schön finde. Die kräftigen Farben stehen bei ihr auch für Mut zur Kleidung, jedoch ist ihre Herbstkollektion etwas entspannter als die vorherigen Entwürfe: Dunkelblau und Puder mischen sich hier und vermitteln ein weicheres Bild der Frau.

Der Kunde ist König

Die jetzige Kollektion bestehe im Moment aus 16 verschiedenen Outfits, jedoch werde sie laufend  erweitert. Auch ist Dóri für Kundenwünsche offen und ändert ihre Entwürfe immer wieder auch ab. „Dadurch kommt es manchmal vor, dass es nicht mal zwei gleiche Teile gibt“, meint sie gelassen. Solange der Charakter und der Stil des Orginalentwurfs noch zu erkennen seien, habe sie nichts gegen Einzelanpassungen, denn der Käufer soll sich damit und darin wohlfühlen.
Sie lasse sich beim Planen ihrer Kollektionen immer von ihrer Inspiration leiten, erklärt die Designerin. Manchmal sei der erste Funke eine Farbe oder Form, aus der dann später der ganze Rest entsteht. Zeichnungen und erste Probestücke fertigt sie allein an. Erst wenn ihr der Entwurf zusagt und alles so ist, wie sie es sich vorgestellt hat, übergibt sie die Kreationen einer Schneiderin. Welche Stücke sie genau kreiert, beispielsweise Hosen oder Röcke, überlässt Dóri dem Zufall. Das ergebe sich meist eh im Laufe des Prozesses.

Zukunftspläne

Neben Frauenmode entwirft Dóri auch ab und zu Taschen und arbeitet mit zwei weiteren Designerinnen zusammen, um Schmuck und Schuhe passend zu ihren Kollektionen zu schaffen. Und das will sie auch in Zukunft aufrechterhalten. Es sollen noch mehr Designer in das „The Garden Studio“ kommen, mit denen auch unterschiedliche Kooperationen realisiert werden können. Sie möchte auch öfter Taschen und Accessoires entwerfen und mehr Zeit für ihre Männerlinie aufbringen. Letztere stecke im Moment noch in den Kinderschuhen, denn sie konzentriere sich vor allem auf die Frauenmode. Jedoch sind bei ihrer Fashionshow im Herbst auch ein paar zeitlose Männerkreationen wie Anzüge über den Laufsteg gelaufen. Das will Dóri in Zukunft weiter ausbauen.

Ines Gruber
The Garden Studio

V. Városház utca 14.

Tel.: +36 30 259 3511

www.thegardenstudio.hu

DÓRI TOMCSÁNYI machte 2010 ihren Abschluss an der Universität für Kunst und Design (MOME) und startete kurz darauf ihr Label „Dóri Tomcsányi“. Diesen Sommer eröffnete sie mit zwei Bekannten den Showroom „The Garden Studio“, der ihr und anderen Designern die Möglichkeit gibt, ihre Kreationen vorzuführen. Dóri nahm während ihrer noch kurzen Karriere an verschiedenen Modeshows und Ausstellungen im In- und Ausland wie Paris und Ljubljana teil und arbeitete für das Magazin Amalie.

Erschienen in der Budapester Zeitung Nr. 45, vom 4.-9. November 2011


Montag, 2. Dezember 2013

Zsuzsa Lengyel

Designer aus Ungarn – Teil 32
Zsuzsa Lengyel und ihre Label „lengyel zsuzsi“ und „Karnevaal“
„Bunt, praktisch und einzigartig“

Mitten in der Innenstadt, unweit des Jászai Mari tér in Richtung Westbahnhof, liegt der kleine Laden der Designerin Zsuzsa Lengyel in einem Innenhof am Szent István körút. Auf dunklen Holzregalen präsentiert sie hier ihre bunten Taschenkreationen in verschiedenen Formen und Materialien sowie einzigartige, schöne Krawattenentwürfe für Sie und Ihn.

Mit einem schüchternen Lächeln öffnet die junge Designerin die Tür zu ihrem Showroom und bietet sofort einen Platz auf dem Ledersofa an. Ihr Laden läge etwas versteckt und sei dadurch leider etwas schwierig zu finden, gibt Zsuzsa Lengyel sogleich zu und macht es sich ebenfalls auf der Sitzgelegenheit bequem.

Ein langer Weg
Ruhig und leise beginnt Zsuzsa dann von ihrem Werdegang, der erst über ein Wirtschaftsstudium zum Design führte, zu erzählen. „Kreative Dinge haben mich immer angezogen“, meint sie und fügt nachdenklich hinzu, dass der Exkurs ihres ersten Studiums wahrscheinlich eine Rebellion gegen die Eltern, die Grafiker und Künstler seien, gewesen sein muss. Während des Wirtschaftsstudiums habe sie jedoch ihre Meinung geändert und dann doch noch einen Abschluss in Design gemacht.
Unter dem Label „Jaffa“ entstanden nach ihrem Abschluss Kleiderkollektionen mit einer Studienkollegin, die auch gut bei den Kunden ankamen. Nach einige Jahren wurde sie jedoch schwanger und beschloss, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen. Damit verschwand auch ihre Mode von der Bildfläche. Eine Schaffenspause von fünf Jahren folgte, die Zsuzsa kurz vor Weihnachten 2010 beendete.

Neues Konzept

Bilder: Aaron Taylor (3)
Sie entschied sich für Taschen und Krawatten, weil es praktischer und einfacher ist, sie herzustellen als Gewand, erklärt die Designerin, die jetzt alleine an ihren Kollektionen arbeitet. Da sie wegen der langen Pause sowieso ein komplett neues Label aufbauen musste, entschied sie sich dafür, etwas völlig neues zu machen. „Außerdem habe ich mich ja auch verändert, die alte Marke passte nicht mehr zu mir“, betont Zsuzsa und beschreibt ihre Taschen als kleine Statuen, die im Gegensatz zur Kleidung einen begrenzten Rahmen haben. So entstanden ihre beiden Label „lengyel zsuzsi“ für Taschen und „Karnevaal“ für Männer- und Frauenkrawatten.

Sammelleidenschaft

Ihre Taschen entstehen durch Versuche, Zeichnungen und oft durch die Farbe und Textur der Stoffe, die sie miteinander kombinieren will. „Ich sammle Stoffe, Pelze, Leder aller Art, benutze auch häufig alte Kleidungsstücke wie Pelzmäntel oder Pullover, die ich dann weiterverarbeite. Mein Dachboden ist im Grunde mit Stoffballen und Resten gefüllt“, gibt sie lächelnd zu. Die Formen der Taschen bleiben ähnlich, aber das Aussehen variiert aufgrund der vielen Materialien unglaublich, es gibt kaum zwei gleiche Stücke. Das gilt nicht für ihre kleinen Serien, in deren Rahmen jeweils rund zehn Stück entstehen und die deswegen auch durchnummeriert sind. Diese werden allerdings bei einer Schneiderin gefertigt. Die Nachbestellungen sowie Einzelstücke schaffe sie jedoch allein in Handarbeit.

Weiterentwicklung

Eigentlich produziere und kreiere sie das ganze Jahr über, erzählt Zs­zsa, allein jetzt habe sie wegen einer Ausstellung in London vier komplett neue Taschenformen entworfen. Diese haben einen Ledergriff und Lederboden, damit sie strapazierfähiger sind. Zsuzsa möchte in Zukunft darauf achten, dass alle Entwürfe aus Stoffen bestehen, die wasserabweisend sind. Sonst gäbe es aber kein Kriterium für das Grundmaterial. Das einzige, was die Designerin vor neuen Kreationen abhielte, sei die fehlende Zeit, meint sie bedauernd. Neben den neuen Entwürfen können aber auch die alten weiterhin über ihre Website bestellt werden. „So entstehen eigentlich die meisten Taschen“, erzählt Zsuzsa, und fügt hinzu, dass diese nach Absprache in Farbe und Stoff an die Wünsche des Kunden angepasst werden und dadurch natürlich immer Einzelstück seien.

Onlinebestellungen

Ihre Käufer sind In- und Auslän­der, die vielleicht schon von ihr gehört haben, und deswegen ihren Laden finden oder sich über die Website informieren und bestellen. Zsuzsa verschickt ihre Taschen auch ins Ausland, jedoch seien die ungarischen Kunden immer noch in der Mehrzahl. Obwohl ihre Entwürfe für diese vielleicht etwas teuer sind, betont  sie aber sogleich, dass eigentlich immer mehr Ausländer auf sie aufmerksam würden, die Design, Ware und Einzigartigkeit zu schätzen wissen. Das Feedback sei durchwegs positiv. Deswegen überlege sie, mit ihren Kreationen nach Deutschland oder Frankreich zu gehen.

„Karnevaal“
Das Entwerfen der Krawatten ergab sich eher aus Zufall und läuft neben der Taschenproduktion. Vor Jahren beschenkte sie einen Freund mit ein paar schönen Kreationen, dem diese so gut gefielen, dass Zsuzsa anfing auch welche für den Verkauf herzustellen. Die Stoffe, die sie dafür nutzt, stammen aus ihrem Fundus, und sind nicht immer nur aus Seide, sondern manchmal auch aus Wolle oder einem anderen festen Stoff. „Das schmälert ihre Qualität überhaupt nicht“, meint die Designerin und erzählt, dass sie mal bei einer Hochzeit ein selbstgeschneidertes Korsett getragen habe, und ihr Mann die passende Krawatte dazu. Von daher rührt ihre Idee, für Paare zu Silvester ähnliche Kombinationen herzustellen. Dies kam bei den Kunden so gut an, dass ihr aus dem  vergangenen Jahr nur eine Kombination geblieben ist. Dieses Jahr wolle sie dies weiterführen.

Zukunftspläne

Bei beiden Linien setzt Zsuzsa auf Farben und Kontraste, die sich aus dem Stoff, seiner glatten oder weichen Struktur ergeben und am Ende immer miteinander harmonieren. Außerdem sind die Taschen bis auf die neuesten Entwürfe auch immer praktisch: Man kann sie auf verschiedene Weise tragen, mit Druck­knöp­fen verkleinern oder vergrößern, man kann außerdem den Tragegurt verändern oder Reißverschlüsse öffnen, um das Fassungsvermögen zu erweitern. Geplant sind auch zwei Linien bei „lengyel zsuzsi“, die sich in „Premium“ und „Basic“ aufteilen sollen. Der Unterschied soll dabei die Verwendung von Leder und natürlich der Preis sein. Entwürfe der jetzigen Kollektion kosten um die 25.000 Forint, die Basic-Taschen werden zwischen 15 und 20.000 liegen. Neu ist auch das Stammkundenprogramm, das „Wiederholungs­tätern“ einen Rabatt vom 30 Prozent auf jede weitere Tasche gewährt. Zsuzsi sagt, dass „es viele gibt, die schon mehr als eine Tasche gekauft haben, weil ihnen die Farbe und der Stil gefällt“, und genau diese Käufer wolle sie mit der Kundenkarte erreichen.
Ines Gruber
Showroom:

V. Szent István körút 15.

www.lengyelzsuzsi.hu
www.karnevaal.com

ZSUZSA LENGYEL hat ihre Abschlüsse 2002 in Wirtschaft an der Szé­che­nyi Istvan Universität in Győr und zwei Jahre später als Designerin in Budapest gemacht. Danach fing sie an, mit einer Studienkollegin Mode zu designen. Nach einer etwas längeren Pause eröffnete sie dann 2010 ihr Taschen- und Krawattengeschäft erneut, was gleichzeitig auch als Atelier dient. Seit diesem Jahr nimmt sie regelmäßig am WAMP Designermarkt teil und vertreibt ihre Kreationen außer in ihren Laden auch auf ihrer Webseite und in zwei weiteren Designgeschäften. Im Oktober wird die Designerin an dem internationalen Markt in Budapest teilnehmen.

Erschienen in der Budapester Zeitung Nr. 42, vom 14.-20. Oktober 2011